Wir alle haben intensive Wochen hinter uns. Und wir wissen noch nicht genau, wie es weiter geht. Fernunterricht oder Präsenzveranstaltungen? Oder beides? Bis Ende Schuljahr oder auch im Herbst? Wahrscheinlich wird jeder Kanton, jede Schule, jede Fachgruppe individuelle Konzepte und Möglichkeiten ausarbeiten. Ein idealer Zeitpunkt also, um Rückblick zu halten und die «lessons learned» zu erkennen. Damit wir für Kommendes bereit sind. Denn eines ist gewiss: So wie es war, wird es nie mehr.

Diese Umstellung konnten wir nur gemeinsam meistern: Die Hilfsbereitschaft war enorm und (endlich) über Fachschaft und Schule, ja sogar über Kantonsgrenzen hinaus haben sich Lehrpersonen gegenseitig unterstützt, ermutigt, Unterlagen geteilt. Egal, ob auf der schulinternen Lernplattform, via freigeschaltete Ordner in OneDrive oder Dropbox oder sogar mittels institutionellen Plattformen, wie TeachOz (vgl. unten).

Die Lernenden ganz neu kennen lernen

«In erster Linie bin ich beeindruckt, wie ambitioniert unsere Schüler und Schülerinnen im online Unterricht mitmachen», stellt Christa Christen-Bucher, IKA-Fachlehrerin der Alten Kantonsschule Aarau fest. «Herausforderung war, die Drittklässler noch zwei Wochen zu «beschäftigen», nachdem sie erfahren hatten, dass auf die Abschlussprüfung verzichtet wird. Geklappt hat es zum Glück wesentlich besser, als ich gedacht habe.» Geholfen hat sicher, dass fast alle Berufslernende bereits über eine gute Infrastruktur zu Hause verfügten. Computer sind anscheinend in jedem Haushalt vorhanden, teilweise mehrfach, sodass alle Familienmitglieder Zugang zur Technik hatten – inklusive stabiler und funktionierender Internetverbindung.

Physisch distanziert, – aber sozial ganz nah

«Die festen Strukturen sind von einem Tag auf den anderen entfallen und meine Rolle als Fachlehrerin hat sich verändert», so blickt Mariella De Vita, IKA-Fachlehrerin vom KV Lenzburg Reinach zurück. «Für mich als Lehrperson hat sich die Arbeit zu Hause verdoppelt», hält Mariella fest. «Ich habe die Präsenzzeit am PC die ganze Zeit gewährleistet. Dies fühlt sich wie eine Hotline an, die 24 h für alle offen ist. Das Abschalten fällt mir schwer. Ich sehne mich nach dem Klassenzimmer und nach den Lernenden.»

Mutig und voller Kraft voran

Was wir IKA-Lehrpersonen vielleicht jahrelang in mühseliger Kleinarbeit probierten und nur tröpfchenweise in die Schulentwicklung einbringen konnten, funktioniert plötzlich. Dank des Lockdowns hat die Schule einen riesigen Schritt Richtung digitale Transformation getan. Hoffen wir, dass wir von diesem «Drive» weiter profitieren können und uns so jetzt schon fit machen für ein Lernen nach den 21st century skills. Diese werden eine der gewichtigen Änderungen in der kommenden BIVO2022 sein. Deshalb ganz nach dem indischen Sprichwort: «Mögen wir furchtlos sein gegen jenes, das wir nicht kennen, und gegen jenes, das wir kennen.»

TeachOz ist eine Tauschplattform von Unterrichtsmaterialien. Vor etwa 5 Jahren von Max Woodtli und seiner Lebenspartnerin Priska Fuchs gegründet, ist sie seit Beginn dieses Jahres online. Hier werden grosse und kleine Projekte geteilt – von Lehrpersonen für Lehrpersonen. Und seit dem Lockdown sind Arbeiten, die für den Fernunterricht besonders geeignet sind, besonders gekennzeichnet. Registrierung mit Passwort «help» – und die Magie kann beginnen.